27.04.17 23:15 Alter: 175 Tage

Themenabend Psychosoziale Notfallversorgung

Von: Text: Frank Uhlitzsch, Foto: Jochen Dehn

 

Ein kleiner Junge verliert bei einem Straßenbahnunfall sein Leben. Seine Mutter bleibt im hektischen Unfallgeschehen mit ihrer Angst, ihren Fragen und schließlich mit ihrer Trauer um den Sohn zunächst allein am Unfallort, aber auch der Fahrer der Strassenbahn bleibt mit seiner Betroffenheit alleine.

Ein Rettungsdienstmitarbeiter des ASB München erkannte dies und entschloss sich ihnen zu helfen.

Was sich damals im Sommer 1989 in München ereignete, war der Auslöser für die Gründung des ersten Kriseninterventionsteams (KIT) und der Beginn einer flächendeckenden Einrichtung im Rahmen der psychosozialen Notfallversorgung. Es hat sich gezeigt, dass eine frühzeitig einsetzende, kontinuierliche Betreuung dieser traumatisierten, trauernden Menschen besonders wichtig ist, um Folgeschäden zu vermeiden.

Ein Kriseninterventionsteam wird immer dann gerufen, wenn Angehörige und Betroffene schweren psychischen Belastungsreaktionen ausgesetzt sind.

Was aber geschieht mit den Einsatzkräften, die an der Einsatzstelle versuchen Leben zu retten und nicht selten mit den Schicksalen der Betroffenen direkt konfrontiert sind?

Diese Frage stellte Stadtkommandant Matthias Bauer und begrüßte damit offiziell die Teilnehmer und die beiden Referenten Thomas Trzebitzky und Robert Austen vom ENT.

Im Stadt- und Landkreis Karlsruhe übernimmt die Notfallseelsorge Karlsruhe die Aufgabe der psychosozialen Notfallversorgung. Neben dem Kriseninterventionsteam bietet das EinsatzNachsorgeTeam (ENT) die Möglichkeit Einsatzkräfte nach belastenden Einsätzen zu betreuen.

Die beiden Referenten veranschaulichten zunächst, wie sich belastende Ereignisse auf den Menschen bemerkbar machen und auswirken können. Bilder die wir nicht mehr aus dem Kopf bekommen, Schweissausbrüche und Schlafstörungen können meist die ersten Anzeichen sein, die sich im fortgeschrittenen Stadium unter dem Begriff Posttraumatische Belastungsstörung (PTSB) zusammenfassen lassen.

Im „Defusing“, einer Einsatznachbesprechung können die Einsatzkräfte direkt nach einem belastenden Ereignis durch das ENT unterstützt werden um die Stressbelastung zu minimieren. Weitere Stressbewältigungstechniken unterstützen innerhalb der ersten 72h Stunden nach einem belastenden Einsatz im „Debriefing“.

Wird das Kriseninterventionsteam (KIT) immer über die Integrierte Leitstelle angefordert, so kann das EinsatzNachsorgeTeam (ENT) direkt durch die betroffene Hilfsorganisation oder deren Angehörige angefordert werden.

Der Themenabend Psychosoziale Notfallversorgung ist bei uns Bestandteil der Truppführer Ausbildung aber auch für alle Einsatzkräfte interessant, so Jochen Dehn und Frank Uhlitzsch vom Ausbilderteam der Feuerwehr Kraichtal. Und so konnte Kommandant Bauer bei dieser mittlerweile dritten Veranstaltung neben den Kraichtalern auch Einsatzkräfte der Feuerwehren aus dem Unterkreis Kraichgau und der Notfallhilfe des DRK Münzesheim begrüssen.

Weitere Informationen der Notfallseelsorge Karlsruhe unter www.nfs-ka.de